Bausparkassen Österreich: Neuverträge auf Zehnjahrestief
412.000 Neuverträge 2025 — niedrigster Wert seit 2015. Branchenverband und FMA loten Anpassungen am Prämienmodell aus.

Die österreichischen Bausparkassen haben 2025 nur noch 412.000 neue Verträge abgeschlossen — der niedrigste Stand seit 2015 und ein Rückgang von 17,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen gehen aus dem Jahresbericht des Fachverbands der Bausparkassen hervor, der am Sonntag, dem 24. Mai 2026, veröffentlicht wurde. Auch das gebundene Sparvolumen sinkt: Es liegt aktuell bei 21,9 Milliarden Euro, nach 23,4 Milliarden Ende 2024.
Was die Daten zeigen
Hinter dem Rückgang stehen mehrere strukturelle Effekte. Die staatliche Bausparprämie wurde 2024 auf 1,5 Prozent gesenkt — bei einer maximalen Bemessungsgrundlage von 1.200 Euro im Jahr ergibt das eine Prämie von höchstens 18 Euro jährlich. Verglichen mit Tagesgeldzinsen zwischen 2,0 und 2,75 Prozent bei Direktbanken wirkt das Modell für junge Sparer kaum noch attraktiv. Hinzu kommt: Wer einen Bausparvertrag abschließt, bindet sich für sechs Jahre.
Bausparkassen-Obfrau Manuela Auer erklärte, das Geschäftsmodell stehe "vor einer ernsthaften Belastungsprobe". Der Branchenverband habe im Frühjahr Gespräche mit dem Finanzministerium aufgenommen, um eine Anhebung der Prämie auf 2,5 Prozent und eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage auf 1.800 Euro zu prüfen. Eine Entscheidung sei für das Budgetbegleitgesetz im Herbst möglich.
Was das bedeutet
Für Bestandskunden ändert sich kurzfristig wenig. Die rund 3,9 Millionen aktiven Bausparverträge laufen unverändert weiter, die Einlagensicherung von 100.000 Euro je Kunde bleibt. Die Bausparkassen sind allesamt solide kapitalisiert — Raiffeisen Bausparkasse, Wüstenrot, Bausparkasse der österreichischen Sparkassen (s Bausparkasse) und ABV erfüllen die CRR-Anforderungen mit deutlicher Quote.
Strukturell signalisieren die Zahlen jedoch ein Problem. Bausparkassen sind in Österreich historisch das wichtigste mittelfristige Sparvehikel für Haushalte mit niedrigen bis mittleren Einkommen. Wenn dieses Vehikel an Attraktivität verliert, verschiebt sich Erspartes entweder zu Direktbanken-Tagesgeld, zu ETF-Sparplänen oder gar nicht — Letzteres wäre für die Vermögensbildung der unteren Hälfte der Einkommensverteilung problematisch.
Aus FMA-Sicht ist die Lage geordnet, aber beobachtungswürdig. Bereichsleiter Helmut Ettl betonte vergangene Woche bei einer Branchenveranstaltung, die Bausparkassen seien "operativ stabil", die Frage sei eher "geschäftspolitisch und steuerpolitisch" zu lösen.
Wie es weitergeht
Der Fachverband legt seine Reformvorschläge bis Ende Juni 2026 vor. Im Finanzministerium ist eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die parallel Modelle anderer EU-Länder prüft — insbesondere die deutsche Wohnungsbauprämie, die 2024 auf 10 Prozent angehoben wurde, aber unter strengeren Einkommensgrenzen läuft.
Eine Entscheidung über mögliche Anpassungen ist im Rahmen des Budgetbegleitgesetzes 2027 zu erwarten, das voraussichtlich im Oktober 2026 in den Ministerrat geht. Parallel berät die FMA mit den vier Bausparkassen über produktseitige Anpassungen — etwa kürzere Bindungsfristen oder hybride Produkte mit ETF-Komponente, die in Deutschland bereits angeboten werden.
Quellen: Fachverband der Bausparkassen — Jahresbericht 2025 · FMA Quartalsbericht Q1 2026 · BMF Pressemitteilung Bausparprämie